Pfarrhausfrauen

 

Eichstätter Kirchenzeitung Nr. 40 vom 30. September 2012

Ohne sie wäre es leer im Pfarrhof

Wallfahrt des bayerischen Landesverbandes der Pfarrhaushälterinnen nach Bergen

Sein 40-jähriges Bestehen feierte der Landesverband der diözesanen Berufsgemeinschaften der Pfarrhaushälterinnen in Bayern jetzt in Bergen im Bistum Eichstätt. Schon vor 15 Jahren waren Pfarrhaushälterinnen aus dem Freistaat ins Bistum gepilgert, damals allerdings direkt in die Domstadt selbst. Und waren es zum 25-jährigen Jubiläum 1997 noch stolze 650 Teilnehmerinnen, so kamen heuer 150 aus fünf bayerischen Diözesen.

Landesverbandsvorsitzende Luise Mai erklärte im Gespräch mit der Kirchenzeitung, dass der Berufsstand der Pfarrhaushälterinnen „in einem Wandlungsprozess begriffen“ sei. Junge Pfarrer würden oft keine Pfarrhaushälterin mehr anstellen oder aber die Haushälterin lebe nicht mehr im Pfarrhaus und sei auch nicht mehr Vollzeitbeschäftigte. Für Pfarrer Johannes Paul ist der Berufsstand ein Stück kirchliche Kultur. „In einem Pfarrhof ohne Pfarrhaushälterin ist Leere“, glaubt der Geistliche Beirat des Landesverbandes.

Eichstätts Bischof Dr. Gregor Maria Hanke OSB sprach von einem Beruf „der zur Ausnahme zu werden scheint“. Und doch seien Pfarrhaushälterinnen wichtig, da sie „dafür sorgen, dass der Priester in den richtigen Rhythmus einschwingen kann“. Pfarrhaushälterinnen seien „das Ur-Pendel“ und sorgen für „die äußere Ordnung“. Hanke hatte zum 40-jährigen Jubiläum einen Pontifikalgottesdienst in der Wallfahrtskirche Heilig Kreuz in Bergen gefeiert. Zuvor waren die Pfarrhaushälterinnen von Gietlhausen aus zu Fuß nach Bergen gepilgert. Paul und Mai sowie die Regensburger Diözesanvorsitzende Dr. Mary Anne Eder führten die Gruppe an, die gut 40 Minuten lang betend und schweigend durch den Wald zog.

In Bergen gesellten sich weitere Pfarrhaushälterinnen zu den Wallfahrern, die größten Gruppen kamen aus Regensburg und Augsburg. Der Diözesanverband Eichstätt war mit gut 30 Mitgliedern vertreten, darunter Diözesanvorsitzende Elisabeth Harrer aus Neumarkt. Mehrere Geistliche Beiräte aus den Mitgliedsbistümern, der langjährige Geistliche Beirat des Landesverbands, Domkapitular em. Josef Grabmeier, und Ortspfarrer Domkapitular em. Leodegar Karg zogen mit den Vorsitzenden des Landesverbands zu feierlicher Musik von Orgel und Trompete in die Kirche ein.

In seiner Predigt lobte Hanke „den Dienst, der oft im Hintergrund geschieht“. Ein Priester brauche „geistliches Leben, um Wege zu bereiten“, und an dieser Aufgabe „nehmen Sie Anteil und stützen Sie die Priester“. In der heutigen hektischen Zeit würden sich viele Priester überfordert fühlen, sagte Hanke. Daher sei es wichtig, dass „das Pfarrhaus einlädt, Rast zu machen“. Pfarrer und Pfarrhaushälterin würden „eine Kleingemeinschaft, eine Communio, bilden“. Der Dienst der Pfarrhaushälterinnen sei dabei „nicht bloß Schmuck sondern eine Säule, die den priesterlichen Dienst trägt“.
Schon in seiner Begrüßung hatte Hanke auf die Relevanz des Dienstes verwiesen. Als Bischof habe er gelernt, „wie wichtig ein geordneter Haushalt für eine geordnete Seelsorge ist“. Er dankte den Pfarrhaushälterinnen und ermutigte sie, auch im Landesverband aktiv zu bleiben. Es sei gut, dass „Sie sich gegenseitig stärken und austauschen“, sagte Hanke.

Der Landesverband der Pfarrhaushälterinnen war am 17. Januar 1972 in München neu gegründet worden. In einer Chronik heißt es dazu: „Die diözesanen Berufsgemeinschaften der sieben bayerischen Diözesen schlossen sich zu einem Verband zusammen um den sozialen und arbeitsrechtlichen Notstand der Pfarrhaushälterinnen zu lindern.“ Die einzelnen Berufsgemeinschaften seien „kein echter Vertragspartner der in Kirche und Öffentlichkeit erfolgversprechend auftreten hätte können“.

Erste Landesvorsitzende wurde Anna Schmid aus der Diözese Augsburg. Seit über zehn Jahren ist Luise Mai im Vorstand aktiv, die letzten drei Jahre als Landesvorsitzende. Für sie sei der Gemeinschaftsgeist wichtig, betonte sie. Die Vernetzung der Pfarrhaushälterinnen untereinander und der Erfahrungsaustausch stünden dabei im Vordergrund.

Die Jubiläumswallfahrt war dann auch für viele ein Wiedersehen mit alten Bekannten. Und dabei ist alt mit Blick auf den Altersdurchschnitt der Anwesenden durchaus wörtlich zu verstehen. Waltraud Wolf, die 36 Jahre bei einem Pfarrer den Haushalt in Ingolstadt und Pappenheim führte, ist zwar nicht mehr im aktiven Berufsleben, nutzte aber das Jubiläum, um Bekannte zu treffen.

Elisabeth Harrer zeigte sich zufrieden. Die Worte des Bischofs hätten sie ermutigt: „Es war schön, dass er betont hat, dass das Pfarrhaus auch ein geistiger Ort ist.“ Der Tag in Bergen sei zudem wichtig, um „zu zeigen, dass es den Beruf noch gibt“. Sie sei oft der erste Ansprechpartner im Pfarrhaus gewesen, erklärte Roswitha Böck aus Kaufbeurern.

In ihren fast 14 Jahren als Pfarrhaushälterin habe sie „viele Menschen kennengelernt“, und „auch getröstet“. Es seien „schöne Jahre“ gewesen, bilanzierte sie. Der Eichstätter Diözesanverband der Pfarrhaushälterinnen feiert im kommenden Jahr sein 40-jähriges Bestehen. Am 26. April ist eine Feier auf Schloss Hirschberg geplant.

Andrea Franzetti, Kirchenzeitung vom 30. September 2012



Predigt des Hwst. H. Bischof von Eichstätt

Msgr. Gregor Maria Hanke OSB

zum 40jährigen Jubiläum


des Landesverbandes

der
Pfarrhaushälterinnen

am 19. September 2012 in Bergen

 

Liebe Mitglieder der diözesanen Berufsgemeinschaft der Pfarrhaushälterinnen in Bayern, liebe verehrte Pfarrhausfrauen, liebe Mitbrüder und geistliche Beiräte!

Ich möchte Sie, die Mitglieder der diözesanen Berufsgemeinschaften, zunächst einmal beglückwünschen zum 40jährigen Bestehen des Landesverbandes.

 

Es ist gut, daß Sie nicht auf Einzelposten, auch nicht als diözesane Gemeinschaften vereinzelt sind, sondern, daß Sie sich landesweit vernetzen, daß Sie im Austausch stehen und sich gegenseitig Erfahrungen und Stärkung geben. Das ist wichtig für Ihren Berufsstand, der ja heute keine Selbstverständlichkeit mehr ist, der leider zur Ausnahme zu geraten scheint, was ich persönlich sehr bedauere, denn wenn unsere Pfarrhäuser leer oder leerer werden, dann fehlt schließlich auch etwas in der Seelsorge.

Liebe Pfarrhausfrauen, daher noch einmal von dieser Stelle der offizielle Dank auch der Kirche, für ihren Dienst, für Ihre Hingabe, für Ihr oftmals im Hintergrund getätigtes Wirken, das man auf der Ebene der Pfarrei nur indirekt wahrnimmt. Es ist wahrhaftig ein Marthadienst oder ein marianischer Dienst, dem man oft nicht sieht und vielleicht auch da und dort zu wenig schätzt.

Der Dienst der Pfarrhausfrau ist ein kirchlicher Dienst, ist eine eigentliche Berufung, eine Gabe, eine Gabe, die ein Charisma braucht. Aber welches Bild könnte man denn für ihren Dienst wählen? Welche Gestalt, welche biblische Gestalt, welches biblische Bild? Mir kam in der Vorbereitung dieser Hl. Messe ein Satz aus dem „Benedictus“ (Lk 1, 67-79) in den Sinn: Du Kind wirst dem Herrn vorangehen und ihm den Weg bereiten.

Liebe Pfarrhausfrauen, in erster Linie ist sicherlich der Priester, der geweihte Amtsträger Vorläufer, Wegbereiter des Herrn, aber der Dienst der Pfarrhausfrau nimmt an diesem Dienst des Priesters gewissermaßen teil, stützt diesen Vorläuferdienst des Priesters. Dem Herrn kann nur den Weg bereiten, wer vom Herrn selbst herkommt, wer

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